Von einem, der um die Welt radelt

Kein Felgenfest

Das Felgenfest fällt für mich leider aus.
Meine Mutter kann nicht kommen, weil sie gerade einer Familie beisteht, deren Kind die Tage verstorben ist.
(Das ist natürlich wichtiger als unseren "Ehrentag" zu gestalten.)

Da ich die Umständlichkeit mit einem Welpen auf so einer Großveranstaltung nur in Kauf genommen habe, um den Geburtstag meines Vaters gemeinsam mit meiner Mutter zu begehen, werde ich vernünftigerweise zu hause bleiben, bzw. hier eine kleine "welpenfreundliche" Runde drehen.

Dieser Geburtstag meines Vaters ist ein emotionaler Tag, nicht nur weil er 60 Jahre alt geworden wäre.
Es ist auch die Zeit, in der sein Leben langsam zu Ende ginge, wäre alles so verlaufen wie die Onkologen sich das vorgestellt hatten.

Daran denken meine Mutter und ich oft:
Wie traurig, dass er es nicht geschafft hat. Und dass nun wohl das Sterben beginnen würde.

Ich bin dankbar, dass ich dieses Jahr ganz anders begehen darf als 2016 und nicht vor mir liegt, was ich schon durchlebt habe. Und trotzdem würde ich alles noch einmal auf mich nehmen, wenn mein Vater dafür noch bei uns wäre.

Alles nur Zufall?

Neulich sprach ich mit einem Freund. Er fragte, ob mir eigentlich auch auffallen würde, dass ich seit langem schon mit dem Tod zu tun hätte. Immer wieder. Und immer sehr nah.

Ja, das ist mir aufgefallen.
"Vielleicht ist es eine besondere Aufgabe an dich", meinte er.

Vielleicht. Ich bekomme keine Antwort auf diese Frage, aber ich nehme an, was mir begegnet.
Wenn ich es nicht selbst erlebte, würde ich mir kaum noch glauben.
Erst Sohn, dann Vater (der Onkel ein halbes Jahr später war dann nicht so dramatisch), meine treue Hundefreundin und dann eine meiner besten Freundinnen vor einigen Wochen.

Ich kam der Bitte der Familie nach, ihre Beisetzung zu gestalten, war also quasi "die Pfarrerin".
Eine große Ehre und gleichzeitig eine schwere.
Da ich einige Jahre zuvor die Hochzeitszeremonie hielt, war einfach klar, dass ich diesen letzten Freundschaftsdienst leiste.

Mitnichten nur eitel Sonnenschein

Warum schreibe ich heute so komische Gedanken nieder? Auf einem Liegeradblog?

Zum einen teile ich es mit euch, weil ihr durch mein Wirken hier vielleicht den Eindruck bekommen könntet, in meinem Leben scheint immer die Sonne. Auf den Bildern strahle ich meistens, ich fahre ein Trike, von dessen Ausstattung viele träumen, und ich unternehme anscheinend dauernd etwas.

Auf so einem Blog kann (und möchte) man immer nur einen ganz kleinen Teil seines Alltags darstellen und natürlich sind das wegen des Themas "Liegerad" auch noch ausgewählte. 

Vielleicht bin ich heute aber nur ein bisschen melancholisch, weil es dieser besondere Tag ist.

Einige von euch schreiben mir private Nachrichten und erzählen über ihre schwierige Lebenssituation. Finanziell, gesundheitlich und auch sozial. Bei Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen oder die publizieren, seht ihr immer nur einen winzig kleinen Ausschnitt. Glaubt nicht, dass sie permanent mit Glück gesegnet sind.

Natürlich schreibe ich nicht, wenn ich im Krankenhaus liege.
In der Zeit nach dem Tod meines Vater schrieb ich lange überhaupt nicht mehr.

Auch nicht, als ich zweimal wöchentlich zur Infusion schlich, um mich körperlich wieder aufzubauen, weil ich keine Nacht mehr schlafen konnte und mir der Appetit abhanden gekommen war.

Als meine Freundin im Koma lag und ihre Tochter mir weinend am Telefon erzählte, dass die Ärzte dringend dazu rieten, die Geräte abzustellen, dachte ich, ich müsse durchdrehen.
Und ich fürchtete mich wahnsinnig davor, die Beerdigung zu gestalten.

Dass mir all das passiert, ist der Hammer.
Aber wisst ihr was? 

So kann das Leben eben sein. Es fragt uns nicht, ob wir das gerade verkraften können. Es lässt uns keine Zeit, uns gründlich vorzubereiten. Du willst Mutter sein? OK, aber niemand hat versprochen, dass du das Kind auch aufziehen darfst. 

Du bist durch deinen Beruf bestens vernetzt mit den profiliertesten Kliniken und sogar einen führenden Forscher in der Krebstherapie? Super, das heißt aber noch lange nicht, dass dein eigener Vater auch den Weg wählt, den du als den vielversprechendsten ansiehst.

Du kannst es nicht ertragen, das Leid deiner Mutter nur aus der Ferne zu begleiten? Tja, dann sei mal flexibel und lerne was Neues.

Und so kann das Leben trotz allem und gleichzeitig auch sein: Es ist nicht alles immer nur permanent schlimm. Wenn du dich ab und zu auf dein Trike setzt, kannst du abschalten und kleine Momente auch genießen. Wenn du krank oder schwach bist, ist vielleicht heute ein Tag, an dem es besser ist. Freue dich jetzt darüber und denke nicht daran, dass es morgen wieder richtig schlimm sein könnte.

Trike fahren lässt neue Gedanken und Gefühle zu. Hier lebte Emilia noch und schaut frech aus dem Anhänger.

Das Leben kann ein Arschloch sein

Das Leben ist gut. Und es kann auch ein echtes Arschloch sein.
Dieses Leben, das ich und du führen, ist eben das einzige, das wir haben. Und manchmal haben wir nur wenig Gestaltungsmöglichkeiten. Hier auf diesem Blog teilen wir den Teil unseres Lebens miteinander, den wir lieben und der uns begeistert. Wir sind im Austausch und freuen uns miteinander.
Deswegen dulde ich auch keine Miesmacher und Fieslinge. Nicht hier. Nicht in unserer Community.

Authentisch zu sein bedeutet nicht, dass ich mein ganzes Privatleben hier ausbreite. Aber dass ich ab und zu so einen Artikel verfasse, der dir zeigt, dass anderer Menschen Leben auch nicht immer so glänzend läuft wie es den Anschein hat. Also meines zum Beispiel. Niemand muss und soll mich beneiden oder versuchen so zu sein wie ich. 

Denke immer daran, wenn du Menschen vor der Kamera siehst: Das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Sie haben ähnliche Probleme, Minderwertigkeitskomplexe und Ängste wie du. Manchmal sogar noch schlimmere.

Der Mutmacher

Und dann gibt es noch die Menschen, die sind so durchschnittlich wie du und ich. Denen hat das Leben übel mitgespielt. Sie haben Krebs, sind halbseitig gelähmt, sitzen bestenfalls irgendwann mal im Rollstuhl.

So einen Menschen kennt ihr von meinem Blog. Sven Marx.
Er hat dem Leben den Stinkefinger gezeigt und ihm wider Erwarten noch Jahre abgetrotzt.

Und nicht nur das. Sven Marx begann seine Mobilität auf dem Fahrrad zu trainieren.
Der erste Kilometer: ein Sieg
Die ersten sechs Kilometer zum Brandenburger Tor: ein Triumph

Sein Traum damals: Wenn ich 50 Jahre alt werde, radle ich ein Mal um die Welt.

Bestimmt gab es Leute, die ihn heimlich auslachten. 
Ist klar, ne, um die Welt radeln! ALLEINE!

Der Tumor in Svens Hirnstamm lässt ihn alles doppelt sehen. Sein Gleichgewicht ist gestört. Wie soll das gehen bitte? 

Sven beim "Üben" für seine Weltreise. Er radelte erst mal durch Europa.
Urheberrecht am Bild: Sven Marx

Sven ist nun auf der Heimreise von seiner Weltumrundung. Er hat es geschafft! Er hat seinen Traum nicht nur geträumt, sondern ihn Schritt für Schritt umgesetzt.

Aber Sven Marx reist nicht nur, um sein Ego zu bedienen. Er ist ein Alchemist, der aus Scheisse Gold gemacht hat, im übertragenen Sinne. Sein Weg aus dem Rollstuhl zum Weltenradler inspiriert mittlerweile Tausende. 

Betroffene, Angehörige, Verzagte - Sven Marx spricht  mit ihnen, gibt Vorträge und steht unermüdlich für sein Motto: Du kannst viel mehr als du glaubst. Mach deine körperliche Einschränkung nicht zur mentalen.

Der Berliner ist Botschafter für Inklusion und hat die Fackel vom Netzwerk Inklusion Deutschland auf seiner Reise dabei. 2015 hatte er sie vom Papst segnen lassen.

Interview mit Sven Marx

Letzte Woche hatte ich eine Videoschaltung mit Sven Marx. Er hatte gerade Europa wieder erreicht und freute sich sehr, seiner Heimat mit jedem Tag näher zu kommen.

LiegeradFrau: Sven, du wirst in vielen Ländern von den deutschen Botschaftern empfangen. Was besprecht ihr da miteinander?

Sven Marx: Meine Welttour steht ja unter dem Motto "Inklusion", und so schaue ich immer ganz genau, ob ich in dem Land, in der Stadt, wo ich gerade bin, Menschen mit Behinderungen in der Öffentlichkeit sehe. Nehmen diese Menschen am öffentlichen Leben teil? Wie sieht es zum Beispiel aus mit Barrierefreiheit? Was tut das jeweilige Land für Teilhabe und wie geht die Gesellschaft mit Menschen mit Behinderungen um? Darüber diskutiere ich dann mit den Botschaftern und bringe Vorschläge ein.

LiegeradFrau: Vor kurzem schriebst du, dass du nicht mehr weiter kommst, weil dein Rad nicht aufzufinden  sei.

Sven Marx: Ja, die Fluggesellschaft wusste nicht wo es abgeblieben war. Ich habe ja immer ein bisschen Angst um mein Fahrrad, wenn ich fliege. 2015 sass ich eine Woche lang in Budapest fest, weil mein Rad verschwunden war und niemand wusste wer nun zuständig sei.

"Mein Leben ist reisen.
Ich müsste nicht ausgerechnet mit dem Rad reisen.
Aber nur so geht es für mich.
Ich liebe es draussen zu sein."

Sven Marx

LiegeradFrau: Wenn man so was hört, kann man schon wieder viele Gründe finden, sich lieber nicht auf so ein Abenteuer einzulassen ...

Sven Marx: Es ist wurscht wo du mit dem Fahrrad unterwegs bist. Eine Weltreise ist nicht schwer. Es ist wie durch die Stadt radeln. Du musst auf den Verkehr achten und radeln. Verständigen kannst du dich immer. Du brauchst sonst nichts. Wenn du durch Deutschland radeln kannst, kannst du auch um die Welt radeln. Du musst nur organisieren können, wegen Transport, wenn du mal den Zug oder das Flugzeug nehmen musst.

Überall auf der Welt sind super nette Menschen. Ich habe nur nette Menschen unterwegs getroffen. Die Welt ist gut, das habe ich gelernt.

Ich bin happy auch vom Kopf her, denn jeder Tag bringt mich näher nach zuhause. Ich radle total gerne, sonst könnte ich ja auch das Flugzeug nehmen, dann wäre ich gleich wieder daheim.

LiegeradFrau: Wenn du im Spätsommer zuhause in Berlin ankommst, wirst du eineinhalb Jahre unterwegs gewesen sein. Hattest du zwischendurch nicht mal Heimweh?

Sven Marx: Seit ich in den USA bin fahre ich heim. Meine Packtaschen sind nicht mehr so voll, weil ich nicht mehr so viel Proviant hineinstopfen muss. Ich bin jetzt hier in Europa wieder in Ländern, wo ich überall Läden finde, um mich einzudecken. Vorher hatte ich mitunter vierzehn Kilo Essen und Trinken dabei. Auch logistisch ist es nun einfacher, weil ich schnell Unterkünfte wie Campingplätze finde. In der "Zivilisation" campe ich nicht gerne wild.

Aber die Trennung von meiner Frau ist nicht so einfach.  Ein Jahr ist irgendwie machbar, länger ist nicht ok.

LiegeradFrau: Worauf freust du dich am meisten?

Sven Marx: Die Dinge da zu haben, wo ich weiss, dass sie sind. Ich möchte bei meiner Rückkehr am Brandenburger Tor einen Luftsprung machen wie Rocky im Film als er wieder trainiert. Das Brandenburger Tor war auch meine erste Tour nach der Reha, das ich erreicht habe. Von da an wusste ich: Ich schaffe noch mehr!

LiegeradFrau: Welches Land gefiel dir besonders gut?

"Die Welt ist gut"
Sven Marx

Sven Marx: Aus der Perspektive der Inklusion war Kanada absolut spitze! Dort sieht man viele Menschen mit Behinderung im Alltag. Sie können am öffentlichen Leben teilnehmen, weil die Infrastruktur und Bedingungen dafür vorhanden sind.

Für Radreisende ist Südostasien ganz toll. Die Verkehrsteilnehmer nehmen Rücksicht auf Radfahrer und es ist nur wenig los auf den Straßen. Es ist preiswert dort, aber man kann nicht einfach zelten, wegen des Wassers überall. Dafür sind die Unterkünftig billig, wenn man sich nicht allzu sehr wegen der hygienischen Umstände grämt.

LiegeradFrau: Wie geht es dir gesundheitlich?

Sven Marx: Total gut. Ich habe während meiner Reise große Fortschritte gemacht. Zum Beispiel beim Gehen. Ich kann jetzt viel sicherer gehen und wanke nicht mehr so. Ich traue mich, ohne Hilfe zu gehen. Mein Fahrrad war ja immer auch mein Krückstock, auf dem ich mich abgestützt habe.
Beim Haaretrocknen habe ich mich vor der Reise immer mit dem Knie an der Badewanne abgestützt für die Balance. Unterwegs hatte ich keine Badewanne. Ich war gezwungen, frei zu stehen. Und das klappt nun super.

LiegeradFrau: Was ist dein nächstes Lebensziel?

Sven Marx: Mein 60. Geburtstag! Wenn ich den erleben darf, mache ich wieder eine Weltreise, aber dann mit dem Zug. Ich fahre sehr gerne Zug. Und so kann mich dann auch meine Frau begleiten.

Aber bis dahin werde ich noch viel Touren unternehmen. Ich möchte gerne zu den Paralympics nach Japan radeln und eventuell mit jemandem auf dem Tandem, der nur mit Tandempartner aufs Rad kann.

Ich schreibe außerdem schon an meinem zweiten Buch. Und natürlich werde ich weiterhin Vorträge geben, mich für Inklusion einsetzen und Menschen besuchen, denen ich hoffentlich Mut machen kann, wenn sie in schwierigen Lebenslagen sind.

Aber du bist doch behindert!

Vom Pflegefall zum Mutmacher.
Das Buch von Sven Marx.

Spannend. Verblüffend. Bereichernd.

Wir alle können aus Schlamm Gold machen. Unsere schlimmen Erfahrungen können für andere der Rettungsring sein, der sie vor dem Ertrinken rettet. Vorausgesetzt wir teilen unsere Erfahrungen.

Das gilt genauso für die schönen!

Titelbild: Urheberrecht Sven Marx

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Michael Klingler - 3. Juni 2018 Reply

Hallo Maria,

sicher schon etwas ungewöhnlich was dir widerfahren ist, doch das durchleben fast alle Menschen, wenn auch nicht in solch kurzem Zeitraum.

Dein Text hat mich mal wieder nachdenklich gemacht, wie ist es gerade bei mir. Im Dezember werden es bei mir 10 Jahre, dass ich meine Sucht in den Griff bekommen hab. Der Weg bis hier her war auch nicht immer einfach, was mir dabei geholfen hat, und das wende ich für jede Lebenssituation an, ist, dass der Tag 24 Stunden hat.
Sich Ziele zu setzen wie Sven es gemacht hat ist gut, so habe ich das auch gemacht. Irgendwann werde ich ein Trike besitzen, das steht fest. Wann und welches das lasse ich mir offen, so habe ich keinen Druck.

Nein es kann nicht immer sonnig sein, manchmal braucht es den Regen oder gar ein Unwetter um etwas zu reinigen. Sicher ist, irgendwann scheint auch wieder die Sonne. Deine Worte werden mich sicher noch etwas beschäftigen, ist das Leben wirklich ein Arschloch? Nein, trotz aller Höhen und Tiefen den Kurven und den Stolpersteinen, nein ist es nicht, wenn man das ganze Leben betrachtet und nicht nur einen Augenblick.

Danke Maria, war schön auch mal was anderes zu lesen. Vielleicht geht es ja nicht nur mir so, aber deine Worte taten gut.
Lieben Gruß Michael

    Maria Jeanne Dompierre - 4. Juni 2018 Reply

    Lieber Michael,

    ich freue mich, dass mein Text dich berühren konnte.

    Genau das war meine Intension: etwas schreiben, was nachklingt und über das Lesen hinaus noch zu Gedanken anregt.

    Schön, dass du so etwas Persönliches dazu sagst. Danke dafür.

      Michael Klingler - 4. Juni 2018 Reply

      Ja zugegeben es ist schon recht persönlich, aber deine Worte haben halt etwas bewegt.

      Dafür sollte ich danke sagen ^_^

KlausD - 3. Juni 2018 Reply

Hallo Maria Jeanne,

Danke für Deinen nachdenklichen und beeindruckenden Beitrag.

Viele Grüße

Klaus

    Maria Jeanne Dompierre - 4. Juni 2018 Reply

    Gerne, Klaus.

Inge Heitland - 4. Juni 2018 Reply

liebe Maria Jeanne,
ich bin sehr beeindruckt von deinem Bericht, vielen Dank. ..Ich habe schon einigemale versucht, dir zu schreiben wegen des Verlustes von Emilia, und wie toll ich es finde, dass du nun eine Alva hast, und wie interessant und beachtlich das USA Interview mit Gary ist…Leider muss ich wohl Fehler gemacht haben, so dass meine Antwort nicht in deinem, Blog erschien…Sven ist sehr zu bewundern, ich hoffe, dass viele Menschen seinen Bericht lesen können…. Meine um 4 Jahre jüngere Schwester hatte zwei kleine Schlaganfälle, und seitdem sie nicht mehr „topfit“ ist, hat sie jeden Kontakt zu mir abgebrochen. Nur noch ihre Kinder und Enkel dürfen zu ihr, Freundinnen auch nicht. Dabei hatten wir früher ein gutes Verhältnis, und ich habe mich auch sehr um sie bemüht, nachdem ihr Mann leider schon mit 50 gestorben ist….Warum glauben manche Menschen, dass man immer topfit sein muss, um in der Gesellschaft mithalten zu können??
Alles Gute und liebe Grüsse, Inge

Maria Jeanne Dompierre - 4. Juni 2018 Reply

Liebe Inge,

tatsächlich hatte ich dich schon vermisst.
Umso schöner, dass es dieses Mal mit dem Schreiben geklappt hat.

Deine Frage ist wirklich berechtigt. Diese Scham, wenn man „versehrt“ ist. Aber da reicht es oft schon, nicht den gängigen Schönheitsmoden zu entsprechen.

Ich hatte früher eine enge Freundin, die sich nicht mehr mit mir treffen wollte. Als ich ich sie zur Rede stellte: „Ich bin so fett geworden, ich schäme mich, wenn du mich so siehst.“

Was soll ich da noch sagen?! Ich habe sie nie wieder gesehen 🙁

Sven - 5. Juni 2018 Reply

Eigentlich wollte ich dir persönlich schreiben, aber hier gab es viele tolle Kommentare.
Ich wollte mich bei dir bedanken, dass du meine Arbeit nun schon so lange so toll unterstützt. Schön, dass deine Leser auch offen sind für Themen die am Rad vorbei gehen. Das Leben ist leider keine wunderschöne nie endende Radreise.. Es ist eben das Leben mit allen Höhen und Tiefen.
Toll wie weit du dich hier mit deiner eigenen Geschicht offenbarst. Das brauchen viele Leute als Anstoß um selbst mal aus sich heraus zu gehen.

Danke noch einmal an alle hier und viele Grüße aus Portugal
Icke

    Maria Jeanne Dompierre - 6. Juni 2018 Reply

    Du bist ja das beste Beispiel, wie die eigene Geschichte ein Anstoß für andere sein kann.
    Dass du überhaupt die Zeit findest auf deiner Reise noch zu schreiben, ist grandios. Wie schön, von dir zu hören Sven!

    Wir fiebern mit dir mit und warten auf deinen Rocky Balboa Luftsprung.
    Toll, was du alles auf die Beine stellst. Schön, dass es dich gibt.

    Liebe Grüße nach Portugal!

Daniel - 7. Juni 2018 Reply

Hallo Liebe Maria,

“wie geht es Dir” wenn ich diesen Satz höre fängt mein Hirn an zu arbeiten. Scheiße jetzt hat man mich das gefragt und sag ich nun die Wahrheit oder doch nicht.

Ne, ich Lüge dann, denn wenn ich es sagen würde, will die Person nicht die Wahrheit wissen,
die Frage war in Wirklichkeit nicht ernst gemeint.

Leider ist es heute so, keiner sagt die Wahrheit, nur noch schön Gelaber. Komisch, jeder hat sich gefreut, dass die DDR Mauer gefallen is,t aber in Wirklichkeit ist sie sogar noch höher und dicker geworden, nur unsichtbar. So sind die Menschen, nur schön oberflächlich bleiben und Gefühle schön unterdrücken, sehr wichtig in unserer Spass Gesellschaft.

Wir haben es verlernt Freundschaft auf zu bauen. Dank an Facebook und Whats App haben wir Millionen von Freunden, aber keiner ist da wenn man einen braucht, schon nicht geil oder doch blöd?

Glaub jar nicht, dass es nur Dich trifft mit den Schicksalsschlägen. Nein, wenn mal die Menschen die Wahrheit sagen würden, dann bist Du nicht mehr allein, denn jeder muss leider den berühmten Rucksack tragen in seinem Leben.

Von meinem Vater weiß ich nicht viel. Ich hab nur noch die Erinnerungen von meiner Kindheit in meinem Herzen, denn er ist auf einmal nicht mehr da gewesen. Das letzte Wochenende mit ihm Lego gespielt und am nächsten Wochenende war er Tot, weg, verschwunden.

Leider konnte ich nicht mehr seine Muttersprache mit ihm zusammen erlernen, wäre auch sehr schwer geworden mit meinem Vater. Er hatte nicht so viel Geduld aber alleine habe ich es nie geschafft und hörte aus Frust damit auf.

Nun ist es schon ein Jahr her als der nächste wichtigste Mensch gegangen ist und nun fehlt auch der Sinn in meinem Leben, weshalb ich noch da bin.

Wenn ich dann noch mein Lieblingssatz höre “Du bist doch nicht behindert, Du bist ja nicht blöd”
dann frag ich mich weshalb konnte dieser Idiot eine staatliche Schule besuchen, hat sein Vater Schmiergeld bezahlt?

Aber wenn ich dann den Berg mich hinab rollen lasse auf meinem Dreirädle und den Fahrtwind spüre dann ist mir alles scheiß egal was Idioten sagen und tun und den Liebsten, die schon gestorben sind flüstere ich leise zu: ich komme nach und bereitet schon mal des Fescht vor.

Also, sei nicht traurig, denn dein Vater möchte es nicht. Deine Eltern haben einen wunderschönen und wertvollen Menschen gemacht. Versteck Dich nicht. Jeder, der sehen kann, hat das Recht, dein Schönes Gesicht zu betrachten und vergesse nie: dein Supermann braucht Dich sehr sogar und daher genießt zusammen jede Minute.

a Grüßle Daniel

Maria Jeanne Dompierre - 7. Juni 2018 Reply

Lieber Daniel,

deine Gedanken springen ganz schön hin und her von der DDR bis zu WhatsApp. Ich bin da grundsätzlich besserer Meinung was die Menschen betrifft, aber ich lasse deine Wort gern so stehen, weil ich dich schon eine Weile kenne und weiß, dass du ein lieber Mensch bist.

Andere Menschen sind selten Idioten, sie wissen oft einfach nicht, was sie zu uns sagen sollen, wenn es uns schlecht geht. Oder sie sind nicht so empathisch wie wir es bräuchten. Sieh es ihnen nach.
Such stattdessen Kontakt zu denen, die dir guttun. Auch das Internet kann da sogar ein Segen sein. Du und ich, wir haben doch auch Kontakt auf Facebook? Und hier auf dem Blog. Ist das nicht ein schöner Austausch? Das alleine zählt. Lass alles andere außen vor.

So wie du es beschreibst, wenn du den Berg hinab rollst, ist es gut. Gut für deine Seele und deine Gefühle.

Mein Vater übrigens war nicht mein leiblicher. Aber “gemacht” hat er mich trotzdem, weil er mich erzogen, geformt und beeinflusst hat. Alle Pflichten auf sich genommen und gesetzlich keine Rechte dafür bekommen. Damals war das noch so.

Vielleicht sollte ich doch mal die Fotomontage veröffentlichen, die du von Paul gemacht und mir geschickt hast. Dann verstehen alle anderen auch, warum du ihn immer “Superman” nennst.
Mit rotem Umhang in der Luft schwebend 😀

Danke für deine Worte, sie drücken viel Emotion aus. Feinfühlige Menschen sind etwas Schönes.

Liebe Grüße.

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